Der Special Tip des Monats bezieht sich auf Bands, Musiker oder Projekte,
die ein echter Geheimtip sind
Da wartet man schon seit Jahren auf einen neuen Studio-Output
des verrückten und durchgeknallten Amis, der mit bedenklichen Äußerungen
schon mehr als einmal bewiesen hat, daß er einen gewaltigen Hau weghat,
und nun beglückt er uns mit einer Live-Scheiblette. Allerdings waren
ja gerade seine Gigs - im Gegensatz zu einigen seiner Studioalben - seine
Stärke, und so ist "Full Bluntal Nugity" eine völlig runde Sache.
Und wenn man bedenkt, daß der letzte Konzertmitschnitt "Intensities
In 10 Cities" schon zwanzig Jahre zurückliegt und zudem ein halbgares
Produkt war, auf welchem er zehn neue Songs vorstellte, die bis auf eine
Ausnahme eher mittelprächtig bis belanglos ausfielen (und die er auf
seiner letzten Deutschland-Tour auch leider fast alle im Programm hatte),
dann wurde es allmählich wieder Zeit für einen unverfälschten
Genuß vom Meister persönlich. Ted Nugent ist ein gnadenlos guter
und sehr unterbewerteter Gitarrist, dessen eigenwilliger Stil bisher von
niemandem kopiert wurde.
Wenn er in die sechs Saiten greift, erkennt man sofort seine Handschrift,
und das können heutzutage die wenigsten Musiker von sich behaupten.
"100% Totally Live. No Overdubs!" ist das Motto, und beim Neujahrskonzert
dieses Jahr in Detroit absolvierte der Maestro ein gnadenloses Best-Of-Programm.
Klar, es gibt massive Überschneidungen mit dem Meilenstein "Double
Live Gonzo" ("Wang Dang Sweet Poontang", "Yank Me, Crank Me", "Hey Baby",
"Cat Scratch Fever", "Stranglehold", "Great White Buffalo" und "Motorcity
Madhouse"), aber was soll's? Und bei "Paralyzed" fühle ich mich in
die Zeit versetzt, als die Musikwelt noch in Ordnung war und ich gemeinsam
mit den heutigen Kollegen Baro und Möller auf der "Weekend Warriors"-Tour
in der Ludwigshafener Eberthalle in der ersten Reihe tobte. Das waren halt
noch Zeiten! "Free For All" ist ebenfalls ein absoluter Kracher, und als
Ted beim gleichnamigen Album einem unbekannten Sänger die Chance gab,
sich im Rock'n'Roll-Business zu beweisen, hatte er wohl selbst nicht damit
gerechnet, daß der Kerl ein Jahr später mit seinem Debüt
Platz drei der meistverkauftesten Alben aller Zeiten belegen würde.
Die Rede ist natürlich von Meat Loaf, der vor "Bat Out Of Hell" Gastsänger
bei Ted Nugent war. In "Snakeskin Cowboys" hat Ted Nugent endlich wieder
einen seiner absoluten Klassiker ins Set genommen, und "Fred Bear" (in
einer achtminütigen Akustikversion!) ist sowieso nach "Stranglehold"
sein zweiter Geniestreich. Bei diesem Konzert war der amerikanische Madman
in Höchstform - genau wie damals auf den "Golden Summernight"-Festivals,
wo Ted gemeinsam mit Johnny Winter der Headliner war. Wenn man an das damalige
Rahmenprogramm denkt, kommen einem heute noch die Freuden- tränen:
Saxon hatten "Wheels Of Steels" gerade veröffentlicht, Judas Priest
stellten erstmals die Songs von "British Steel" vor, und Ian Gillan blamierte
sich bei seinem achtminütigen (!) Auftritt und war ganz und gar nicht
auf seiner "Glory Road". Das waren noch Festivals! "Full Bluntal Nugity"
läßt wirklich keine Wünsche offen - bis auf einen: daß
der Typ noch einmal seinen fast zwanzigjährigen Europa-Boykott überdenkt.
Denn dafür gehört Ted sprichwörtlich erschossen - natürlich
mit Pfeil und Bogen. Insofern: Waidmannsheil!
Chris Glaub
©breakout 08/2001
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TED NUGENT Full Bluntal Nugity
Label: Spitfire, Vertrieb: Connected
Review aus Rock Hard Ausgabe 172
Der Bekloppte ist wieder da - mit einem brandneuen, brandheißen,
ohne jegliche Overdubs eingespielten Live-Album! Großmaul Ted, wie
er leibt und lebt: ekstatisch, überdreht, typisch amerikanisch, größenwahnsinnig
(»I wrote the number one guitar lick in the history of the world!«
- als Ansage zu ´Cat Scratch Fever´) - und verdammt unterhaltsam.
Man mag von unserem Hobbyjäger, Gesundheitsfanatiker und Patrioten-Spinner
Nummer eins halten, was man will - dass er sein Publikum hundertprozentig
bedient, wird man kaum abstreiten können. Zusammen mit Drummer Tommy
Aldridge (Gary Moore, Ozzy, Whitesnake etc.) und Basser Marco Mendoza (Blue
Murder, Thin Lizzy) feiert sich Ted 70 Minuten lang nach allen Regeln der
Kunst ab und lässt dabei (zum Glück) vor allem seine legendäre
Halbakustik-Klampfe sprechen. Zwar überschneidet sich ein Teil des
Sets mit früheren Live-Aufnahmen (´Stranglehold´, ´Wang
Dang Sweet Poontang´, ´Motorcity Madhouse´, ´Great
White Buffalo´, ´Yank Me, Crank Me´, ´Cat Scratch
Fever´ etc.), aber das ist den Fans des durchgeknallten Gitarristen
natürlich egal. Beschränkt man sich rein auf die Musik und wertet
Teds Ansagen als pures Entertainment, kann man sich der Power seiner Akkorde
kaum entziehen. Niemand ist so krank in der Birne wie unser Motorcity Madman
- aber es gibt auch niemanden, der so Gitarre spielt wie er!
Götz Kühnemund
RockHard
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Nachdem er jahrelang vor allem durch fragwürdiges Redneck-Geblubber aufgefallen war, hat sich Ted Nugent endlich wieder auf seine Stärken -- Gitarrespielen und Singen -- besonnen und knallt uns mit Full Bluntal Nugity ein amtliches Livealbum vor den Latz. Der in der Silvesternacht 2000 in Detroit aufgezeichnete 68-Minüter zeigt den Motorcity-Madman in musikalischer Hinsicht von seiner allerbesten Seite. Zusammen mit der unschlagbaren Rhythmus-Sektion Marco Mendoza (b.) und Tommy Aldridge (dr.), die auch schon Thin Lizzy wieder belebte, zockt Nugent Klassiker wie "Motorcity Madhouse", "Fred Bear" (Akustik-Version), "Stranglehold" und natürlich den Alltime-Hit "Cat Scratch Fever". Das Zusammenspiel des Trios funktioniert prächtig, der Sound glänzt durch Klarheit und Authentizität, und abgesehen von Nugents teilweise arg dümmlichen Ansagen gibt's an diesem Klassekonzert nichts auszusetzen.
Michael Rensen für Amazon.de
RockHard